Berliner Stadtreinigung: Neukölln im Fokus

Die Berliner Stadtreinigung kämpft seit Jahren gegen den Müll. Illegale Müllhalden, heimlich abgeladener Sperrmüll und sogar Sperrmüllbetrüger stellen die BSR vor immer neue Herausforderungen.

Berliner Stadtreinigung: Neukölln hat ein Problem

Es scheint aussichtslos zu sein: Der Kampf gegen den Müll ist laut Berliner Stadtreinigung kaum zu gewinnen. Immer neue Methoden und Ansätze werden versucht, doch nichts scheint nachhaltig zu fruchten. Dabei muss laut BSR niemand seinen Müll illegal entsorgen! Er wird regelmäßig abgeholt, die Tonnen werden geleert. Auch für Sperrmüll fallen bei einer Menge von bis zu drei Kubikmetern keine Gebühren an. Die Recyclinghöfe nehmen Sperr- und Hausmüll auch außerhalb vereinbarter Abholtermine an.

Doch Neukölln und hier insbesondere der Mittelbuschweg, die Weserstraße, die Saalestraße und die Karl-Marx-Straße haben ein Problem:

  • pro Kopf fallen rund 247 kg Sperr- und Hausmüll an (bundesweiter Durchschnitt: 188 kg)
  • Ermittlungen gegen Müllsünder laufen überwiegend ins Leere (2016 waren nur 7 von 598 Fällen aufgeklärt worden)
  • jährlich fallen rund 800 Tonnen illegaler Müll an
  • Verträge mit privaten Sicherheitsfirmen für „Müll-Sheriffs“ laufen aus
  • geringes Unrechtsbewusstsein einiger Bevölkerungsgruppen
  • schlechte Erreichbarkeit der Recyclinghöfe durch fehlende Mobilität vieler Bürger
  • zunehmende Betrugsfälle

Der Kampf gegen den Müll scheint aussichtslos und auch die Berliner Stadtreinigung genießt nicht überall ein hohes Ansehen. Sie leert beispielsweise die Mülltonnen, die am Straßenrand und damit auf öffentlichem Raum stehen. Die Tonnen aber, die beispielsweise auf dem Spielplatz dahinter stehen, werden nicht angerührt.

Stellt niemand diese Mülltonnen an den Straßenrand, werden sie auch nicht geleert, die Straßenreinigung fühlt sich dafür nicht zuständig. Scheinbar stehen Zusammenarbeiten zwischen Berliner Stadtreinigung und den Bürgern nicht zwingend unter einem guten Stern.

Nicht nur die Straßenreinigung, sondern die komplette Müllentsorgung kostet Geld. Dabei hat die Berliner Stadtreinigung vor allem in Neukölln inzwischen einige Hot Spots ausgemacht, an denen das Müllproblem besonders gravierend ist.

Nicht nur die Straßenreinigung, sondern die komplette Müllentsorgung kostet Geld. Dabei hat die Berliner Stadtreinigung vor allem in Neukölln inzwischen einige Hot Spots ausgemacht, an denen das Müllproblem besonders gravierend ist.(#02)

Berliner Stadtreinigung: Kosten über Kosten

Nicht nur die Straßenreinigung, sondern die komplette Müllentsorgung kostet Geld. Dabei hat die Berliner Stadtreinigung vor allem in Neukölln inzwischen einige Hot Spots ausgemacht, an denen das Müllproblem besonders gravierend ist. Ein Versuch, die illegalen Entsorgungen einzudämmen, endete in der Beauftragung eines privaten Sicherheitsdienstes, der mit seinen Müll-Sheriffs dafür sorgen sollte, dass weniger Müll illegal entsorgt wird. Wirklich erfolgreich war die Kampagne aber nicht und so wurden die entsprechenden Verträge nicht verlängert.

Eine andere Variante für mehr Sauberkeit bezieht die Haushalte mit ein. Die Aktion „Schön wie wir“ sorgt mit unterschiedlichen Ansätzen für mehr Sauberkeit im Stadtteil. Hintergrund dazu ist der Gedanke, dass mit Sauberkeit auch ein Gefühl von Sicherheit einhergeht. Damit wiederum soll der Wohnungsleerstand verbessert werden, denn wer sich sicherer fühlt, möchte vielleicht auch in Neukölln wohnen. Ob das allerdings die Überlegungen, gleichzeitig die Mieten weiter anzuziehen, rechtfertigt, sei einmal dahingestellt.

Schön wie wir“ bietet unter anderem ein Hausmeisterprojekt: Dabei sollen Fragen beantwortet werden, es soll Hilfe zu Recycling und Umweltschutz geben. Bürger können mit dem Hausmeister der Aktion, der dann gleichzeitig ihr Ansprechpartner für den Kiez in Sachen Müll und Umwelt ist, gemeinsame Sache machen, Projekte angehen oder sich eine Beratung geben lassen.

Fakt ist aber, dass alle Maßnahmen Geld kosten und die Gebühren für die Straßenreinigung oder für das Leeren der Mülltonnen sowie die Entsorgung des Sperrmülls nicht weiter angehoben werden können. Dies wiederum würde nur denjenigen Vorschub leisten, die den Müll illegal entsorgen.

Video: BSR-Recyclinghöfe: Richtiges Entsorgen schont die Umwelt!

Bürger zu bequem zum Fahren?

Die aktuellen Preise für die Sperrmüllentsorgung durch die Berliner Stadtreinigung gestalten sich wie folgt:

  • Standard-Tarif
    Abholung in rund zwei Wochen, Gebühren liegen bei 100 Euro bis 5 m³, danach 20 Euro pro Kubikmeter
  • Expressabholung
    Abholung binnen einer Woche, bis 2 m³ kosten 96 Euro, jeder weitere Kubikmeter kostet 48 Euro.
  • Spartarif
    Abholung je nach Verfügbarkeit, Gebühren für bis zu 5 m³ 50 Euro, danach jeder Kubikmeter 10 Euro.

Inzwischen äußerte sich die Berliner Stadtreinigung sogar in der Art, dass die Sperrmüllentsorgung bis drei Kubikmeter kostenlos möglich wäre, bis fünf Kubikmeter würden 50 Euro kosten. Die obigen Preise sind der aktuellen Internetseite der BSR entnommen.

Für genaue Nachfragen ist die Berliner Stadtreinigung direkt zu kontaktieren:

Berliner Stadtreinigungsbetriebe AöR
Ringbahnstraße 96
12103 Berlin
Internet: www.bsr.de (hier kann auch der Onlineauftrag für die Abfuhr des beauftragten Mülls erteilt werden)
E-Mail: service@bsr.de
Telefon: 030 7592 4900

Angesichts der Preise kann der CDU-Bundestagsabgeordenten Christina Schwarzer beinahe Recht gegeben werden: Die Bürger sind zu bequem zum Fahren und daher ist es eine logische Konsequenz, dass Berlin im Müll versinkt. Dieser fällt schließlich an und die Stadtreinigung kann nicht überall gleichzeitig sein. Und doch ist das zu kurz gedacht, denn nur rund die Hälfte der Einwohner Berlins ist motorisiert.

Wie soll die andere Hälfte ihren Sperrmüll oder Elektroschrott an die Recyclinghöfe liefern? Weitaus besser als höhere Bußgelder zu verhängen, ist da die neue Idee der kostenlosen Lastenfahrräder. Diese sollen von den Bürgern genutzt werden können und sind als E-Bikes leistungsstark genug, um auch schwerere Dinge transportieren zu lassen. Insgesamt sind nun sieben Lastenfahrräder allein in Neukölln, die durch die Stadt bezahlt wurden und für die es sogar eine Versicherung gibt.

Viele Politiker sehen die Aktion „Schön wie wir“ eher skeptisch, denn sie sind der Meinung, dass sich das Bewusstsein der Menschen grundlegend ändern müsse. Sie sollten erfahren, dass es sozial geächtet ist, wenn Sperr- und Hausmüll auf der Straße abgestellt wird. Dass jeder, der Mülltonnen nicht nutzt (obwohl sie regelmäßig geleert werden!) oder seinen Müll dem geregelten Recycling zuführt, schief angesehen wird. Bis dahin dürfte es allerdings ein langer Weg sein, der auch weiterhin von Müll und Abfällen gepflastert sein dürfte.

Der Kampf gegen den Müll scheint aussichtslos und auch die Berliner Stadtreinigung genießt nicht überall ein hohes Ansehen.

Der Kampf gegen den Müll scheint aussichtslos und auch die Berliner Stadtreinigung genießt nicht überall ein hohes Ansehen.(#01)

Berliner Stadtreinigung: Betrügern auf der Spur

Gerade in Neukölln sind zahlreiche Betrüger unterwegs. Dabei ist vielen Leuten noch nicht einmal bewusst, dass sie auf einen Betrug hereinfallen oder eine unerlaubte Handlung begehen. Ein Beispiel: Ausländische Mitbürger (oder auf Durchreise befindliche Menschen) werfen handgeschriebene Zettelchen in den Briefkasten. Darauf steht, dass sie Elektroschrott sammeln würden. Die Geräte dürften auch kaputt sein und würden dennoch mitgenommen werden.

Ha! Endlich eine Möglichkeit, die alten Elektrogeräte loszuwerden, mag sich mancher denken. Flugs ist der Keller durchforstet und die defekten oder nicht mehr genutzten Geräte werden am Straßenrand gelagert. Doch das Abstellen des Elektroschrotts ist dort verboten, auch die Mitnahme durch diejenigen, die die Zettel verteilt haben, ist nicht erlaubt. Wirklich nachverfolgen lässt sich diese Sache aber kaum, denn die Betrüger werden selten gefasst. Dabei können die Bürger ihren Elektroschrott doch einfach auf die Recyclinghöfe bringen!

Eine andere Form des Betrugs ist vor allem in Neukölln gang und gäbe. Hier werden durch Betrüger Internetseiten entworfen, die der der offiziellen Berliner Stadtreinigung verblüffend ähnlich sehen. Sogar das Logo und die Arbeitskleidung der Männer, die den Sperrmüll abholen kommen, scheinen identisch zu sein! Die Menschen melden auf der Internetseite die Abholung ihres Mülls an.

Sie bekommen dafür ein Angebot, das sich an den aktuellen Preisen für derartige Leistungen orientiert. Vereinbart wird Barzahlung. Erscheinen die Männer dann zum vereinbarten Termin, verlangen sie die Herausgabe des Geldes, allerdings meist in der doppelten oder dreifachen Höhe. Sogar der zehnfache Preis ist schon gemeldet worden!

Damit niemand auf die Idee kommt, sich in dem Moment zu wehren, werden Drohungen eingesetzt, die sich vor allem bei älteren Menschen auch gegen Leib und Leben richten. Die Berliner Stadtreinigung rät daher, sich nur an die BSR selbst zu wenden und keiner anderen angeblichen Organisation zu vertrauen. Ebenso, wie die Mülltonnen geleert werden, gibt es genügend Sperrmüllabholungen für alle Haushalte, sodass niemand auf seinem Müll sitzen bleiben muss.

Die Gebühren sind moderat und in jedem Fall wird damit dem Betrug ein Riegel vorgeschoben. Übrigens sollte generell niemals Barzahlung vereinbart werden, denn die Berliner Stadtreinigung verlangt eine solche niemals. Außerdem sollte auf einer schriftlichen Auftragsbestätigung bestanden werden, ein Schritt, den die meisten Betrüger verweigern. Nicht am Telefon abwimmeln lassen!

Video: Tausch- und Verschenkmarkt – Spring Campus Conference an der FU Berlin

Berliner Stadtreinigung: Wer soll das bloß alles wegräumen?

Die Berliner Stadtreinigung ist mit dem Leeren der Mülltonnen gut beschäftigt, entsorgt den beauftragten Sperrmüll und fährt die Recyclinghöfe an. Auch die Straßenreinigung fällt in ihr Aufgabengebiet und wird zu bestimmten Zeiten als wichtiger eingeschätzt. Im Winter wird die Straßenreinigung durch den Räumdienst ersetzt bzw. ergänzt, weshalb viele Zusatzaufgaben gar nicht erledigt werden können.

Und doch: Berlin kämpft gegen den Müll und das vor allem mithilfe der Berliner Stadtreinigung. Sie kümmert sich beispielsweise nach der Silvesternacht darum, dass die Straßen wieder von Müll befreit werden und beginnt mit diesen Arbeiten schon morgens um fünf.

Damit machen die Mitarbeiter der Straßenreinigung genau das, was andere nicht wollen. Sie räumen den Dreck von anderen weg!

Die Haushalte, die ihn verursachen, fühlen sich nicht zuständig und kaum jemand packt mit an. Dies ist auch der Grund, warum die Aktion „Schön wie wir“ bisher noch wenig erfolgreich zu sein scheint. Es ist eine Sisyphos-Arbeit, heute aufzuräumen und die Straße zu reinigen und schon morgen wieder auf den Müll zu blicken.

Hilfreich soll daher auch die Aktion „Anti-Müll“ sein, die seit einiger Zeit in Neukölln läuft und bei der das Ordnungsamt insgesamt 15 Hot Spots für Müll im Blick hat. Die Mitarbeiter reichen jedoch nicht aus und können die Beschwerden der Bürger nur aufnehmen. Und wieder ist die BSR dafür zuständig, den Müll wegzuräumen. Doch auch für die Mitarbeiter dort ist es extrem demotivierend und deprimierend, direkt nach erfolgter Reinigung wieder auf wahre Müllberge zu schauen.

Zumal sich damit ein weiteres Problem auftut: Die Haushalte entsorgen illegal ihren Sperr- und Hausmüll. Sie werden nicht erwischt und auf das mögliche Recycling hingewiesen, sondern der Müll wird durch die Berliner Stadtreinigung entsorgt. Klappt doch prima! Ohne Gebühren, ohne Aufwand und so bleiben alten Gewohnheiten stehen und der Müll verbleibt erneut auf der Straße.

Ein letzter Tipp: Für alle, die günstig gebrauchte Dinge suchen oder diese selbst abgeben wollen, bietet die Berliner Stadtreinigung einen Tausch- und Verschenkmarkt. Er kann kostenlos genutzt werden und sorgt dafür, dass nicht alles zum Recycling wandern muss, sondern noch genutzt werden kann.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Werner Spremberg-#01: Cineberg-#02: Werner Spremberg

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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