„Zeugin der Anklage“: Agatha Christie-Klassiker am Imperial Theater

Mord, Spannung, falsche Verdächtigung, fesselnde Wendungen: Agatha Christie ist eine Meisterin des Kriminalromans. Ihre Geschichten sind sicher nicht nur mir lebhaft in Erinnerung geblieben. Eine davon ist die „Zeugin der Anklage“, wurde 1957 von Billy Wilder verfilmt und erlangte Kultstatus. Nun war ich gespannt, ob das Theaterstück mit dem Film mithalten kann, und wagte mich mit einem Bekannten letztes Wochenende in das Imperial Theater Hamburg.

Die Handlung dreht sich, soweit wir wissen, um den charismatischen Handelsvertreter Leonard Vole, gespielt von Ulrich Schaller, der des Mordes angeklagt wird. Vole wird vorgeworfen, die mit ihm befreundete, reiche Miss French in ihrer Wohnung erschlagen zu haben. Da sie ihn kurz vor ihrem Ableben als Alleinerben in ihrem Testament benannt hat, liegt ein unverkennbares Mordmotiv vor. Vole jedoch beteuert seine Unschuld und macht stattdessen seine Ehefrau Christine (Verena Peters) für den Mord verantwortlich.

Vereidigung Christine: Christine (Verena Peters), Richter Wainwright (Wolfgang Riehm), Gerichtsdiener (Patrick Michel) (#1)

Vereidigung: Christine (Verena Peters), Richter Wainwright (Wolfgang Riehm), Gerichtsdiener (Patrick Michel) (#1)

Was kann ich dann von dem Stück erwarten? Im Gegensatz zu einem Film wird ein Theaterstück immer live aufgeführt. Das also macht es mir leichter, mich in die Handlung hineinzuversetzen und mit den Akteuren mitzufühlen. Verena Peters ist eine richtige Femme Fatale, mit ihren roten Lippen, und ihrem kühlen Blicken. Für mich spielt sie ein einstudiertes Spiel und versucht subtil, ihrem Mann den Mord unterzuschieben. Dieser wiederum, gespielt von Ulrich Schaller, verkörpert den arglosen Leonard Vole in Perfektion. Aber alle spielen so gefühllos, keiner möchte anscheinend Schwäche zeigen! Mein Bekannter sagt, dies sei Teil der Inszenierung. Einzig die Haushälterin, gespielt von Christa Krings, liefert für mich eine überzeugende emotionale Darbietung einer scheinbar glaubhaften Zeugin, und der Richter setzt sich diplomatisch und ehrlich für den Angeklagten ein.

Jede Minute fiebern mein Bekannter Max und ich mehr mit, wer nun eigentlich wen beschuldigt und vor allem, wer die arme Frau French umgebracht hat! „Vole wird sicher freigesprochen“, mutmaßt mein Bekannter und ich stimme ihm zu. Oder steckt da etwa noch mehr dahinter? Nach dem Freispruch von Vole bleibe ich aufgeregt sitzen; ich weiß, irgendwas muss noch kommen. Und schon als die Ehefrau stolzen Schrittes zum obersten Richter geht, der als einziger noch im Raum verbleibt, ihren Rock glattstreicht und zu ihm sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ihr Briten so emotional wärt – erst recht nicht an in einem öffentlichen Platz“… weiß ich, dass alles noch nicht vorbei sein kann!

Vole Verhör: Leonard Vole (Ulrich Schaller) und Staatsanwalt Mr. Myers (Gosta Liptow) (#2)

Vole Verhör: Leonard Vole (Ulrich Schaller) und Staatsanwalt Mr. Myers (Gosta Liptow) (#2)

Nach dem Schluss diskutieren mein Bekannter und ich aufgeregt über dessen Ende. Ihn hat die Ehefrau von Vole auch am besten gefallen, da sie einfach überzeugend spielt und uns am Ende sehr überrascht hat. Aber auch der oberste Richter bleibt mir mit seinem Scharfsinn und seiner Emotionalität, als er sich für den vermeintlichen Mörder einsetzt, gut in Erinnerung. Wie es ausgeht, wird an dieser Stelle nicht verraten. Der Beifall im „Hamburger Gerichtssaal“ sagte für mich aber eine Menge aus. Ich denke, das Theaterstück braucht sich hinter dem Film in keinster Weise zu verstecken. Alle Interessierte können der detailverliebten, hochspannenden Verhandlung immer donnerstags bis samstags um 20 Uhr beiwohnen.


Bildnachweis: Imperial Theater,  alle Fotos: © delovska.de

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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